Geschichtlicher Hintergrund zur Kapelle auf dem Eichertskopf. Die Daten und Bilder wurden von Winfried Schneider zur Verfügung gestellt

 

 

Erinnerungen an das Kapellchen auf dem Eichertskopf

 

Im Rosenkranzmonat, genauer gesagt am Sonntag, dem 5. Oktober 2005, zog eine Prozession von etwa 100 Gläubigen, begleitet von Pfarrer Christ, Messdienern, Kommunionkindern und der Jugendkapelle des Musikvereins Dermbach, betend und singend von der Filialkirche St. Josef zur Kapelle auf dem Eichertskopf.

 

Seit diesem Jahr befindet sich eine neue Pieta“ in dieser kleinen Kapelle, die wahrscheinlich seit 1863 hier steht.

Leider sind keine Aufzeichnungen vom Bau und den Umständen hierzu vorhanden; nur mündliche Überlieferungen wurden weitergegeben.

 

Durch die Herausgabe der Utsch-Chronik 2004 konnte man genauere Recherchen über Bau und Erbauerin erfahren. Etwa im Jahre 1863 ließ Friderika Walburga Utsch, geborene Brühl, aus Dermbach, verwitwet, nach einer guten Muthung eines sehr ertragreichen Eisenerzganges aus Eisenerzganges aus Dankbarkeit diese Dankbarkeit diese Kapelle erbauen, vermutlich auch, da noch keine Kirche im Dorf war. Dermbach gehörte zu dieser Zeit der Pfarrei Kirchen an, auch die Toten wurden dort beerdigt.

Die Ww. Friderika Utsch war in erster Ehe mit Johann Eberhard Utsch seit dem 10.02.1852 verheiratet, der am 15.04.1863 verstarb. Aus dieser Ehe stammte ein Sohn Karl August Utsch, der Großvater der noch lebenden Alfred Utsch aus Herdorf und Gretel Mertens, geb. Utsch, aus Dermbach.

In zweiter Ehe war dann Friderika Utsch seit dem 1. Mai 1865 mit Friedrich Utsch, einem Vetter ihres Mannes, verheiratet. Aus dieser Ehe stammte eine Tochter Emma Therese Utsch, die am 21. Januar 1931 ledig verstarb.

Emma Utsch betrieb in ihrem Elternhaus (Gaststätte und Bäckerei) einen Lebensmittelladen und oft, so erzählt man sich, gab sie die Lebensmittel an arme Leute ohne Bezahlung ab. Nach ihrem Tod fand man so genannte Anschreibbücher, die nie beglichen wurden.

Diese Emma Utsch betreute und schmückte lange Zeit das von ihrer Mutter erbaute Kapellchen. Immer nahm sie Kinder zum Gebet mit, und wenn einmal eines von den Kindern müde wurde, legte sie es kurzerhand in den so genannte „Himmel“, eine große Nische unterhalb des Altares, der blau mit goldenen Sternen ausgemalt war. Als „Tante Emma“ alt und gebrechlich war, übergab sie die Pflege an ihre Nichte Franziska, die Tochter ihres Halb-Bruders Karl August Utsch. Franziska Utsch, 1886 geboren, lebte auch im Hause Utsch und pflegte das Kapellchen ca. 20 Jahre durch die Kriegs- und Nachkriegszeit. Unvergessen sind die fast täglichen Rosenkranzgebete mit damaligen jungen Frauen, die ihre Männer im Krieg hatten und um glückliche und gesunde Rückkehr beteten. Trotz der schlimmen Nachrichten, ihre Männer seien gefallen oder vermisst, empfahlen sie diese der schmerzhaften Muttergottes und trugen ihre Sorgen um die Kinder hinauf zur Kapelle. In den fünfziger Jahren zog Franziska Utsch zu ihrem Sohn fort und übergab die Verantwortung für die Kapelle an ihre Nichte Elfriede Rödder, geb. Utsch, weiter, die mit ihren verwitweten Freundinnen wöchentlich den Rosenkranz hier betete. Als Elfriede Röder 1963 zu ihrer Tochter fort zog, übergab sie die Pflege an ihre Nichte Gabriele Schneider, und ihren Ehemann Wolfgang weiter. Tochter ihrer Schwester Erna Farnschläder geb. Utsch

 

 

Gabriele ist die Ur-Ur-Enkelin der Erbauerin und somit in der Tradition der Familie Utsch um die Pflege zusammen mit ihrem Mann bemüht.

Nach dem 1. Weltkrieg schenkte der in Dermbach geborene Peter Stricker, er lebte in Düsseldorf und war Angestellter in einem katholischen Gewerkschaftsbüro, der Kapelle eine kleine Glocke. Das große Kreuz auf dem Dach der Kapelle wurde gegen ein Glockentürmchen ausgetauscht und vor den Sonn- und Feiertagen wurde das Glöckchen von Angehörigen der Familie Stricker bis etwa 1970 geläutet. Dieses Glöckchen versah nach dem Krieg 1945, vom Eichertskopf in die Kirche gehängt, seinen Läutedienst. Die beiden Kirchenglocken waren 1943 von der damaligen Diktatur-Regierung beschlagnahmt und eingeschmolzen worden.

Natürlich kostet der Unterhalt eines schon in die Jahre gekommenen Bauwerkes größere finanzielle Mittel. So wurde 1956 eine neue Pieta“, die bisherige war durch einen Unglücksfall zerbrochen, angeschafft. Die Eltern der Unglücksbuben finanzierten dies. Bedingt durch die große Anzahl der Opferkerzen, welche nach dem Krieg 1945 entzündet wurden, war der Innenraum so stark verrußt, dass es mehrere Anstriche benötigte, um eine hellere Raumgestaltung zu erhalten. Dann war die zweiflügelige Tür aus Altersschwäche dahin und durch Jugendliche total zerstört, die Opferkerzen zerbrochen und die Notdurft der Jugendlichen hinterlassen worden. Die Dermbacher waren empört und die Mitglieder eines Stammtisches der Gaststätte Utsch stifteten eine neue Eingangstür mit Verglasung und schmiedeeisernen Gittern. Da die Unkosten der Unterhaltung immer höher wurden, übernahm 1989 die örtliche Feuerwehr die Patenschaft über die Kapelle, überprüfte die Statik, zog einen Eisenträger über der Tür ein, erneuerte eine ganze Wand, erneuerte den Verputz, deckte Dach und Türmchen mit Kupfer ein und ließ einen Innen- und Außenanstrich anbringen.

Mit Fahnen und Blumen geschmückt, wurde im Oktober 1990 in Verbindung mit einer Prozession in Begleitung der Feuerwehr mit brennenden Fackeln das Kapellchen wieder eingesegnet. Die Dermbacher Feuerwehr hat bis heute die Instandsetzungen finanziert und auch weiterhin zugesagt. Eine Bereicherung der Dorfkultur! Bei der letzten Renovierung stellte sich dann heraus, dass die im Gemäuer aufsteigende Feuchtigkeit (fehlende Isolierung der Grundmauern und wenig Lüftung) die Statue der schmerzhaften Muttergottes stark in Mitleidenschaft gezogen hatte. Eine Untersuchung durch die Harbacher Künstlerin Marlies Hof (sie hatte die Kreuzwegstationen am Druidenstein restauriert) ergab, dass eine Reparatur nicht sinnvoll ist, da der Gips der Statue schon teils verfault war. Die KFD Dermbach (Frauen- und Mütterverein), die jährlich im Mai und Oktober die Prozession gestaltet, sagte eine Spende zur Neuanschaffung einer „Pieta“ zu. Man dachte an eine wetterfeste Ausführung und ließ Kostenvoranschläge in verschiedenen Materialien ausarbeiten. Ein Bericht über die Kapelle, das Vorhaben und die Künstlerin in der Siegener Zeitung brachte den Lesern das Anliegen nahe und es gingen Spenden für das Vorhaben bei den Betreuern ein, die weiterhin den Kontakt mit der Künstlerin hielten und sich mit Gleichgesinnten u. a. der KFD Dermbach für die Schaffung einer Bronze-Statue im Wachsschmelzverfahren nach dem bisherigen Standbild, hell patiniert, zum Preis von 3900 € entschlossen. In der Vakanzzeit ersetzte eine holzgeschnitzte „Madonna mit Kind“ als Leihgabe bis zur Neuanschaffung die Pieta“ an der Gebetsstätte, denn nach wie vor gingen stille Beter und auch die Rosenkranzprozession zum Eichertskopf.

 

Spenden gingen zuerst gut, dann zögerlich ein, Kritik um Anschaffungskosten wurde laut und fast ein Scheitern der Bemühungen zeichnete sich ab, als plötzlich großzügige Spender ihre Zusagen zum fehlenden finanziellen Betrag gaben. In ihrem Sinn war es, auch mit Mehrkosten verbunden, eine farblich gestaltete „Pieta“ wie gehabt aus Bronze in Auftrag zu geben. Nach Rückversicherung verschiedener Experten bezüglich des Gusses und anschließender Bemalung konnte das Vorhaben in Auftrag gegeben werden.

Seit Karfreitag 2005 steht nun die Mater dolorosa“ in der kleinen Kapelle und wurde in aller Stille durch den befreundeten Pater Dr. Rafael Romic OFM aus Wiesbaden (der sich auch für Spenden einsetzte) gesegnet.

Ich glaube, ich sollte es nicht verschweigen, dass viele Spender sagten: Wir machen dies aus Dankbarkeit, uns wurde im Gebet geholfen!

So hoffe und wünsche ich, dass diese Gebetsstätte noch lange zum Segen für Dermbach erhalten bleibt.

 

Wolfgang Schneider